Rechtsanwalt, Richter und Staatsanwalt

Gerichtssendungen und ihr Unterhaltungswert

Schon einmal Richter Alexander Hold, Richterin Barbara Salesch, oder Das Familiengericht im deutschen Privatfernsehen gesehen? Über viele Jahrzehnte hinweg bieten verschiedene Formate im hiesigen Sprachraum dem Interessierten Zuschauer fiktive oder nachgestellte Gerichtsprozesse als seichte und leicht verständliche Unterhaltung. Dem begeisterten Publikum gefiel dies zeitweise sehr gut. Es befeuerte das Interesse an juristischen Themen und Berufen. Doch egal ob Rechts- oder Staatsanwalt, Richterin oder Angeklagter, Zeuge oder besorgte Außenstehende – es kam bei den Geschichten vor allem auf eine gewisse Spannung und Besonderheit der Fälle an. Eine spezielle Rolle hat dabei immer der Rechtsanwalt des Angeklagten inne. Denn er, oder sie, findet sich häufig als der tapfere Held der Erzählung wieder, der alleine versucht gegen die Übermacht der erdrückenden Beweise ins Feld zu ziehen. Zugegeben, manchmal müssen sie auch tatsächlich schuldige Personen verteidigen und ihnen ihren anwältlichen Rat zukommen lassen. Aber auch diese Situation hat für den Rechtsanwalt und das Publikum ihren Reiz. Denn es ist eine enorme Herausforderung in der Justizmaschinerie das Beste für einen Mörder oder einen anderen Schwerkriminellen zu erreichen. Sehr oft erscheint der gerissene Staatsanwalt als der nicht immer fair spielende Gegenpart des Rechtsanwalts, quasi als Antiheld der Erzählung. Seine Aufgabe ist es, den Angeklagten zu überführen und mit möglichst hohen Strafen zu belegen. Dies kann ihm oder ihr auch schon einmal Gegensympathie des Publikums einbringen. Aber eigentlich lieben die Zuschauer genau diesen Schlagabtausch, wenn Staats- und Rechtsanwalt im Streitgespräch gegenseitig versuchen ihre jeweiligen Theorien zu entkräften, um das bestmögliche Ergebnis für ihre Seite zu sichern.

Doch wie wirkt sich das Schauen solcher Gerichtssendungen auf die Wahrnehmung von Gerichtsprozessen in der Realität aus? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Aber die reale Arbeit eines Rechtsanwalt spielt sich viel mehr hinter dem Schreibtisch bei der Recherche, Strategiebesprechung und bei der An- und Abreise zum jeweiligen Gericht ab. Dennoch kann der Schlagabtausch im realen Gerichtssaal genauso spannend, wie das Gegenstück im Fernsehen sein. Insbesondere dann, wenn wirklich etwas auf dem Spiel steht. In diesem Fall hat man hoffentlich den richtigen Anwalt parat.

Trotz diesem Unterschied zwischen Fiktion und Realität erfüllen Gerichtssendungen ihren Zweck – sie unterhalten in einer leichten Art und Weise, die trotzdem zum Nachdenken im wirklichen Leben anregen kann. Mit Sicherheit werden sie auch weiterhin in einem beschränkten Rahmen die Medienlandschaft mitprägen.

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